In Hildesheim wurde ein Jugendlicher mit Eisenstangen misshandelt. Siebzehn Wochen quälten seine Mitschüler ihn im Unterricht: Sie zwangen ihn, sich mit dem Besen die Zähne zu putzen, schlugen wie wild auf einen Eimer ein, den sie ihm auf den Kopf gesetzt hatten und filmten alles. Mit dem Video brüsteten sie sich im Internet - knallhart, worldwide. Seitdem geht Niedersachsen neue Wege zur Bekämpfung von Gewalt an Schulen. Der Landespräventionsrat hat der Hildesheimer Walter-Gropius-Schule Geld für ein Theaterstück zur Verfügung gestellt. Über ein halbes Jahr haben zwei Klassen des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) unter professioneller Leitung eines Regisseurs am Stadttheater Schillers "Rauber" einstudiert.
SPIEGEL TV-Autorin Christina Pohl hat die Proben für eine aufwendige Fernsehdokumentation von Anfang an begleitet. Dabei haben die BVJ-Schüler, die man neudeutsch zum Präkariat zählt, alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Dramaturgisch gesehen waren die Proben aufregender als jedes Theaterstück: Es wurde gelacht, geschrien und geweint. Ab und zu flog ein Schüler raus, manchmal ist einer einfach abgehauen. Die Kamera begleitet die Jugendlichen auch nach hause. Hussein und Halil zum Beispiel, zwei Jugendliche libanesischer Herkunft. Und Julia, die sich oft geschlagen hat und viele Anzeigen deswegen bekam. Sie öffnen ihre Türen und geben einen Einblick in ihr ihr Leben. Für die meisten von ihnen ist die Perspektive klar: Hartz IV. Hoffnung ist für sie ein Wort, das kaum Bedeutung hat. Um so steiniger wurde der Weg bis zur Premiere vor 600 Zuschauern. Am Anfang hatte kaum jemand den Jugendlichen Durchhaltevermögen zugetraut. Doch am Ende sind sie über sich hinausgewachsen. Sie haben dem hochsubventionierten deutschen Theater ein bisschen Leben eingehaucht und gezeigt, was in ihnen steckt und schillern kann.